Mikrofinanz – Eine Einführung

Der Begriff Microfinance ist ein Sammelbegriff für die Erbringung von Finanzdienstleistungen (Kredite, Sparmodelle, Versicherungen, etc.) für arme Bevölkerungsgruppen durch spezialisierte, armutsorientierte Finanzinstitutionen, die als Mikrofinanz- Institutionen bezeichnet werden. Die wirtschaftlich aktiven Armen werden in der Regel von traditionellen Finanzdienstleistern nicht mit Bankdienstleistungen versorgt. Mikrofinanz versucht diese Lücke zu schliessen. Mit der Vergabe eines Kredits von 25 bis 1’500 US Dollar eröffnet Microfinance den wirtschaftlich aktiven Armen den Weg zur Selbstbestimmung.

Jeder Mensch, ob arm oder reich, besitzt ein schöpferisches Potential; die Frage ist nur, ob man ihm die Chance dazu einräumt. Menschen mit wenig Einkommen oder Eigentum werden von traditionellen Banken oft nicht als anderen Finanzdienstleistungen ausgeschlossen. Die wirtschaftlich aktiven Armen hatten so bisher wenige Chancen, sich ein Kleinunternehmen aufzubauen. Microfinance versucht diese Lücke zu schliessen.

 

Das Modell von Mikrokrediten basiert auf der Annahme, dass auch arme erwerbsfähige Menschen unternehmerisch handeln können und grundsätzlich kreditwürdig sind. Für diese (potenziellen) Unternehmer ist die Aufnahme eines Mikrokredites in der Regel die einzige Alternative zu inoffiziellen Geldverleihern. Microfinance stellt so oft die einzige Möglichkeit dar, das Gewerbe voranzutreiben und in Folge auch die Lebenssituation zu verbessern. Im Gegensatz zu konventionellen Kreditinstituten vergeben Mikrofinanzinstitute Kleinstkredite ohne bankübliche Sicherheiten. Stattdessen kommen andere Kredit-Mechansimen zur Anwendung.

 

  • Mikrokredite sind von sehr kleinen Kreditbeträgen gekennzeichnet, die oft unter USD 100 beginnen und im Laufe einer Kundenbeziehung ein Vielfaches dieses Betrags erreichen können.
  • Vielfach gelangt das Prinzip der gruppenbasierten Kreditvergabe Anwendung.
  • Die Mikrokredite besitzen unterjährige Laufzeiten und werden auf Wochenbasis zurückbezahlt
  • Mikrofinanz-Berater gehen zum Kunden vor Ort. Die Kreditberatung wird oftmals von einem «Unternehmens-Coaching» begleitet.

Microfinance ist aber keineswegs eine neue Erfindung, sondern hat seine Wurzeln in der Raiffeisen-Philosophie, die vor 150 Jahren unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen, analog zu den Umständen in den Entwicklungsregionen heute, in Deutschland entstand. Basierend auf einem Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzip und der damit verbundenen Erhöhung der Kreditwürdigkeit verschafften sich die Kooperationsmitglieder so die Mittel um ihr Gewerbe zu betreiben. Die Raiffeisen-Bewegung fasste in vielen Teilen Europas Fuss und trug massgeblich zur Entwicklung des Kontinents bei. Dieser Entwicklungsgedanke liegt auch der Microfinance zu Grunde.

 

Nach entsprechenden, regionalen Erfolgen in Südasien und Lateinamerika wurde dem Modell weltweite Anerkennung zu Teil. Die UNO erklärte das Jahr 2005 zum «International Year of Microcredit» und Muhammad Yunus, ein Wirtschaftsprofessor aus Bangladesh, wurde im Jahr 2006 «für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung» mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

 

Microfinance kann als Instrument zur Armutsbekämpfung in Schwellen- und Entwicklungsländern gesehen werden. Microfinance setzt aber nicht bei der Wohltätigkeit (Spende), sondern beim Unternehmertum an. Mit der Vergabe eines Kredites von durchschnittlich 500 US Dollar eröffnet Microfinance den wirtschaftlich aktiven Armen damit den Weg zur Selbstbestimmung.

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